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Für viele Menschen geht vom Zirkus eine starke Faszination aus: Es wird über die Artistik und Kunststücke gestaunt, herzhaft über die Späße der Clowns gelacht, ... . Grundsätzlich wäre an dieser Form der Unterhaltung nichts auszusetzen, sofern sie nicht auf Zwang und/oder Erniedrigung beruht. Doch dies ist bei allen Zirkussen, die nichtmenschliche Tiere halten und vorführen, der Fall. Diese Individuen haben sich - im Gegensatz zu den Menschen - nicht freiwillig dafür entschieden, "Kunststücke" vorzuführen oder sich anderswie zu präsentieren. Sie sind nicht begeistert vom Applaus des Publikums und sehnen sich nicht nach Ruhm und Erfolg als "Star der Manege". Sie such(t)en weder nach einer "Zirkusidylle", noch verstehen sie sich als "Botschafter ihrer Art", noch versuchen sie im Zirkus ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. Nein - kein freier Wille hat nichtmenschliche Tiere zum Zirkus geführt: Es ist menschliche Macht, Arroganz, Ignoranz, Gewalt, ... und nicht zuletzt die aneignende Tierliebe, die sie hierhin (mitunter auch im wortwörtlichen Sinne) entführt hat. Zirkus mit nichtmenschlichen Tieren ist eine Form von Sklaverei. GEFANGENSCHAFT Alle paar Tage werden die "Zirkustiere" in engen Käfigen/Zirkuswagen zu einem Gastspielort gekarrt. Auch dann, wenn ihnen am Standplatz (zeitweise) ein sog. Außengehege zur Verfügung gestellt wird und sie nicht im Käfig/Wagen bleiben müssen oder z.B. im Zelt/Stall angebunden bzw. angekettet werden, bedeutet dies - auch wenn sie in Gefangenschaft geboren wurden - nicht, dass es ihnen im Zirkus "an nichts fehlt". Freilebende sog. Wildtiere leben in einem Lebensraum, der, nicht nur von der Größe her, mit dem ihrer im Zirkus gefangenen ArtgenossInnen nicht zu vergleichen ist, z.B. bewegen sich Löwen und Tiger in Revieren von über 40 km². Individuen domestizierter Tierarten sind zwar - bedingt durch die jahrtausendelange Zucht ihrer VorfahrInnen zu Ausbeutungszwecken - auf menschliche Obhut angewiesen, aber d.h. nicht, dass sie nicht an der Form der Haltung leiden können. So sind z.B. viele "Zirkuspferde" Hengste, was zu Aggressionen untereinander und Frustrationen führen kann. Im Zirkus werden die sozialen Bedürfnisse der nichtmenschlichen Tiere nur eingeschränkt berücksichtigt. Tiere, die in Gruppen leben, müssen oft ein Leben in Isolation von ArtgenossInnen führen (z.B. Großflusspferde), vorwiegend allein lebende Tiere in Zwangsgemeinschaften leben (z.B. Tiger). Sog. Verhaltensauffälligkeiten, z.B. Stereotypien wie das kontinuierliche Hin- und Herlaufen von Großkatzen oder das Weben (Hin- und Herschaukeln) von Elefanten sind ein sichtbarer Ausdruck dessen, was die Gefangenschaft - Langeweile, Frustration, Einsamkeit, Angst, Stress, Bewegungsmangel, ... - für die Tiere bedeutet. DRESSUR Die "Kunststücke", die nichtmenschliche Tiere in der Manege aufführen müssen, sind ein Ergebnis der Dressur. Von Zirkusseite aus heißt es, dass die gewaltsame Dressur eine Sache der Vergangenheit wäre. Die heutige Dressur sei sanft, die liebevolle Arbeit in der Manege würde den "Zirkustieren", die "Freunde und Partner" wären, quasi als Ausgleich für den Entzug der Freiheit dienen. Illusionen: Denn Dressur zielt darauf ab, einem Individuum den Willen des Dompteurs bzw. der Dompteurin aufzuzwingen. Das "Dressurobjekt" soll das tun, was dieseR - der/die sich heute verharmlosend und beschönigend als Tierlehrer bezeichnet - verlangt. Voraussetzung für diese Unterwerfung ist es, den Willen der Tiere zu brechen. Dressur ist Gewalt. Die Abrichtung der Tiere erfolgt zumeist durch eine Kombination von Strafe und Belohnung, nach dem altbekannten Prinzip von "Zuckerbrot und Peitsche". Peitsche, Schläge, Anschreien und nicht zuletzt Nahrung sind einige der Mittel, die eingesetzt werden, um sie dazu zu bringen, sich den Kommandos zu fügen und "Kunststücke" aufzuführen. ZURSCHAUSTELLUNG Wer nichtmenschliche Tiere wirklich respektiert, besucht keinen Zirkus, der sie hält und zurschaustellt. Ein Zirkus ist kein Platz für nichtmenschliche Individuen, im Gegenteil zu dem, was mit der Zuschreibung 'Zirkustier' ausgegeben wird. Wer einen Tierzirkus allein aufgrund der Art und Weise der Haltung der "Zirkustiere" wie z.B. der "Wildtierhaltung" oder aufgrund bestimmter Dressurmethoden kritisiert - wie es z.B. TierschützerInnen tun -, rüttelt nicht an dieser anmaßenden und aneignenden Zuschreibung. |